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Aus der Natur 08/2022    Urs Kägi

Vogelfedern nutzen sich mit der Zeit ab und müssen ersetzt werden. Alte Federn fallen aus und neue wachsen nach. Dieser Vorgang bei den Vögeln wird Mauser genannt. Viele Vögel sehen im August / September etwas farblos und zerzaust aus. Fast könnte man meinen, sie seien krank. Das trifft jedoch auf die wenigsten von ihnen zu. Der Grund für ihr etwas desolates Aussehen ist die Mauser.

Der Ausdruck Mauser leitet sich vom lateinischen mutare für «ändern», «tauschen» ab. Bei den meisten Vogelarten und insbesondere bei den Singvögeln findet dieser Gefiedertausch nach der Brutzeit im Sommer / Herbst statt. Altvögel ersetzen dabei das komplette Gefieder. Das heisst das Grossgefieder (Flügel- und Schwanzfedern) als auch das Kleingefieder (Körperfedern) werden gemausert. Im Frühling ausgeflogene Jungvögel hingegen mausern nur das Kleingefieder und erhalten so nach und nach das Aussehen der Altvögel. Singvögel tragen im Winter das sogenannte Schlichkleid. Vor der Brutzeit im Frühjahr mausern insbesondere die Männchen ins oft farbenfrohe Brutkleid. Einige Wasservögel, wie zum Beispiel die Brandgans, versammeln sich im Herbst an sogenannten Mauserplätzen und mausern das gesamte Gefieder nicht nach und nach sondern auf einen Schlag. Sie werden damit für eine gewisse Zeit flugunfähig. 


Aus der Natur 07/2022    Urs Kägi

Schon so manch einer berichtete dem Schreibenden, in seinem Garten käme regelmässig ein Kolibri an die Blumen. Doch in Europa kommen keine Kolibris vor. Beim vermeintlichen Kolibri handelt es sich um einen Schmetterling, genauer gesagt um einen tagaktiven Schwärmer mit Namen Taubenschwänzchen. Taubenschwänzchen sind vor allem in Südeuropa zu Hause und wandern jedes Jahr in schwankender Zahl Richtung Norden. Sie sind ausdauernde Flieger und können problemlos bis 2000 Kilometer zurücklegen. Im Jahr 2022 sind besonders viele der hübschen Schwärmer bei uns eingeflogen. Im Schwirrflug steuert das Taubenschwänzchen vor allem Blüten mit tiefem Kelch an, wo es den Vorteil seines gut drei Zentimeter langen Saugrüssels am besten ausspielen kann. Taubenschwänzchen pflanzen sich in unseren Breiten auch fort. Früher gelang es den hübschen Schwärmern kaum bei uns zu überwintern. Sie ertragen Frost schlecht. Im Zuge der Klimaerwärmung und den damit verbundenen milden Wintern schaffen jedoch immer mehr Taubenschwänzchen die Überwinterung. Seinen Namen erhielt der Schwärmer wegen seinem schwarz-weiss gezeichneten Hinterleib. Dieser hat Ähnlichkeit mit einem Federschwanz. 


Aus der Natur 06/2022    Urs Kägi

Den Eisvogel kennen wohl die meisten Leute. Oder doch nicht? Es gibt ihn nämlich nicht nur gefiedert, sondern auch als Schmetterling. Doch nicht nur das: Es gibt den Kleinen- und den Grossen Eisvogel. Hier stellen wir den Kleinen Eisvogel vor. Feuchte Wälder sind der bevorzugte Lebensraum des Kleinen Eisvogels. Er ist vor allem in Auwäldern sowie im Bergland anzutreffen. Besonders gern halten sich diese Schmetterlinge am Boden auf, wo sie an feuchten Stellen oder an Tierkot saugen. Das Verbreitungsgebiet des Kleinen Eisvogels reicht von Europa über Asien, wo es sich bis nach Japan erstreckt. Im Mittelmeerraum kommt die Art hingegen nicht vor und sie fehlt auch auf der Iberischen Halbinsel. Außerdem ist sie nördlich von Dänemark nicht präsent. Verschiedene in Wäldern wachsende Pflanzen bilden die Nahrung der Raupen dieser Schmetterlingsart. Auf ihrem Speisezettel stehen vor allem die Blätter der Roten Heckenkirsche (Lonicera xylosteum).Die Flügel des Kleinen Eisvogels sind schwarzbraun gefärbt. Vorder- und Hinterflügel tragen eine breite Binde aus weißen Flecken. Bei geöffneten Flügeln bildet diese Binde einen Halbkreis. Besonders wohl fühlt sich der Falter in feuchten Wäldern. In Zeiningen ist er unter anderem am Maienbächli im Gebiet Eigerte zu finden. 


Aus der Natur 05/2022    Urs Kägi, Quelle: Schweizerische Vogelwarte

Jungvögel - was tun? Ein Jungvogel hat die besten Überlebenschancen, wenn er von den Altvögeln gefüttert und betreut wird. Eine goldene Regel lautet deshalb: Lassen Sie Jungvögel dort, wo sie sind! In den seltensten Fällen sind sie wirklich verlassen.

Nestflüchter und Nesthocker

Bei den Vögeln wird nach dem Entwicklungsstand der Jungen beim Schlüpfen zwischen Nestflüchtern und Nesthockern unterschieden. Nestflüchter besitzen ein vollständiges Dunenkleid und können sofort laufen bzw. schwimmen. Sie beginnen schon bald, selbstständig Nahrung aufzunehmen. Beispiele von Nestflüchtern sind Enten und Hühnervögel.

Bei den Nesthockern bleiben die zuerst nackten und blinden Jungen längere Zeit im Nest, wo sie von den Altvögeln gefüttert und umsorgt werden. Nesthocker sind zum Beispiel Greifvögel, Eulen, Spechte, Segler und alle Singvögel. Bei einigen dieser Arten verlassen die Jungen das Nest manchmal schon, bevor sie richtig fliegen können. Verbreitet ist dies z.B. bei Amseln und anderen Drosseln. So kommt es ab und zu vor, dass wir einen scheinbar verlassenen Jungvogel finden. Entgegen einer weit verbreiteten Annahme sind diese ungeschickt herumflatternden Jungvögel meistens weder verletzt noch aus dem Nest gefallen, sondern sie halten sich häufig versteckt in ihrer Nestumgebung auf, wo sie von den Eltern weiterhin gefüttert werden. Deshalb wäre es falsch, diese Jungvögel mitzunehmen, zumal ihre Überlebenschancen in menschlicher Obhut drastisch kleiner sind und die Auswilderung schwierig ist.

Wann soll man einschreiten?

Schreiten Sie nur ein, wenn Sie sicher sind, dass sich der Jungvogel in Gefahr befindet oder wirklich verlassen ist (Zerstörung des Nestes, Tod der Altvögel). Einen unselbstständigen Jungvogel, der auf einer Strasse oder an einem vor Katzen oder Regen ungeschützten Ort sitzt, sollten Sie in die nächste Hecke oder in den nächsten Baum setzen. Wenn Sie aus mind. 50 m Distanz feststellen, dass er während einer Stunde nicht von den Eltern mit Futter versorgt wird, können Sie ihn in Obhut nehmen. Dabei sollten Sie beachten, dass alle Nesthocker ausser den Singvögeln ausserordentlich schwierig aufzuziehen sind. Zudem ist für die Pflege und Haltung von Wildvögeln eine Genehmigung erforderlich, die Sie beim Kanton (Jagdverwaltung oder Veterinäramt) beantragen müssen. Am besten bringen Sie den Vogel für die weitere Betreuung umgehend einer offiziellen Pflegestation, einem Tierspital oder der Schweizerischen Vogelwarte Sempach. Die Adressen sind beim Schweizer Vogelschutz SVS/BirdLife Schweiz oder bei der Vogelwarte erhältlich.

 

Spezialfälle

Segler sind als reine Insektenfresser sehr schwierig aufzuziehen. Aus dem Nest gefallene Jungsegler haben eine recht gute Überlebenschance, falls sie einem Paar mit gleichaltrigen Jungen untergeschoben werden können. Die Altvögel akzeptieren solche „Stiefkinder“ meist problemlos und ziehen sie wie eigene Junge auf. Viele Seglerkolonien werden von engagierten Vogelschützer(inne)n betreut, die mögliche Ersatzeltern kennen. Auf Anfrage geben die Vogelwarte und der Schweizer Vogelschutz SVS/BirdLife Schweiz Ihnen entsprechende Kontaktadressen bekannt. Greifvögel und Eulen (weissliches oder graues Dunenkleid, hakenförmiger Oberschnabel) gehören immer in die Pflege von Fachleuten! Ihre Betreuung ist aufwändig und erfordert grossen Sachverstand.

Nothilfe für verwaiste Jungvögel

Für den Fall, dass Sie einen jungen Singvogel für kurze Zeit in Obhut nehmen müssen, erhalten Sie hier noch einige Pflegehinweise. Bedenken Sie aber, dass die Aufzucht von Jungvögeln sehr viel Zeit und Geduld erfordert und ihre Überlebenschancen nach der Auswilderung gering sind!
Solange sich der Jungvogel ruhig verhält und sich kaum vom Platz bewegt, halten Sie ihn am besten in einer mit Haushaltpapier ausgelegten, oben offenen Schachtel. Wechseln Sie das Haushaltpapier ausreichend oft, damit das Gefieder des Vogels nicht verschmutzt. Noch wenig befiederte Nestlinge müssen entweder mit einer Wärmelampe oder einer Bettflasche gewärmt werden. Wenn der Jungvogel schon herumflattert, bringen Sie ihn in einem Käfig oder einer grossen, mit einem Tuch zugedeckten Schachtel unter.

Für alle Singvogel-Nestlinge können Sie als Futter zur Überbrückung Insekten aus einem giftfreien Garten oder Grillen bzw. abgekochte Fliegenmaden aus dem Zoofachhandel verwenden. Als Notfutter für maximal zwei bis drei Tage eignet sich auch gekochtes, gehacktes und angefeuchtetes Ei (Eigelb und Eiweiss). Damit der Vogel die notwendige Flüssigkeit erhält, sollten Sie die einzelnen Futterportionen vor dem Verfüttern in lauwarmes Wasser tauchen. Flössen Sie einem Jungvogel, der noch nicht selbstständig frisst, kein Wasser ein - er nimmt mit der angefeuchteten Nahrung genug Flüssigkeit auf. Wenn der hungrige Jungvogel selber den Schnabel aufsperrt, stecken Sie ihm das Futter in kleinen Portionen mit einer stumpfen Pinzette oder einem stumpfen Zahnstocher in den Schlund. Wenn er das nicht tut, vertrauen Sie ihn möglichst rasch einer Fachperson an, da seine Überlebenschancen sonst drastisch sinken.

Von der Morgen- bis zur Abenddämmerung braucht ein noch unbefiederter Jungvogel vier Mal pro Stunde Futter, später noch zwei Mal pro Stunde - je nach der Grösse des Vogels jeweils eine Portion von Erbsen - bis Haselnussgrösse. Grundsätzlich soll der Vogel möglichst wenig direkten menschlichen Kontakt haben.

Gegen Ende der Nestlingszeit wird der Jungvogel nicht mehr sperren. Bieten Sie ihm nun Futter und Wasser in getrennten Näpfen an; er wird bald damit beginnen, selbstständig zu fressen und zu trinken. In wenigen Tagen lernt er nun auch, immer sicherer im Käfig herumzufliegen. Damit beginnt die schwierige Phase der Auswilderung. Stellen Sie dazu den Käfig an einen vor Katzen geschützten Ort im Garten oder auf den Balkon und öffnen Sie die Käfigtüre. Der Vogel fliegt normalerweise nicht sofort in die Freiheit, sondern orientiert sich erst in der neuen Umgebung. Wenn er den Käfig verlassen hat, bieten Sie ihm weiterhin Futter an, z.B. im gewohnten Futternapf, den Sie nun aber auf den Käfig stellen. Auf diese Weise kann der ehemalige Pflegling auf eine Nahrungsreserve zurückgreifen, wenn er selbst noch nicht genug Futter findet. Normalerweise dauert diese Phase aber nur wenige Tag

© Schweizerische Vogelwarte & Schweizer Vogelschutz SVS/BirdLife Schweiz, Sempach & Zürich, 2012. Autoren: N. Zbinden & V. Mattmann 


Aus der Natur 04/2022    Urs Kägi

Elstern haben völlig zu Unrecht einen schlechten Ruf, weil sie als "Nesträuber" gelten. Dazu folgender Gedanke: Ist es angebracht von Raub zu reden, wenn das «Plündern» eines Vogelnestes einzig und allein der Nahrungsaufnahme und Nestlings Aufzucht dient?

Fressen und gefressen werden heisst die Devise in der Natur. Zugegeben, auch mir gefällt das nicht unbedingt. Aber ändern lässt es sich nicht. Nicht nur Elstern und Krähen machen sich hinter Vogelnester. Das kann, man höre und staune, auch der Buntspecht. Ebenso haben Eichhörnchen diese Angewohnheit. Dabei handelt es sich um zwei sehr beliebte Tierarten. Elstern, auch «Aegerste» genannt, sind Allesfresser. Nur in der Brutzeit nimmt der Anteil tierischer Nahrung zu. Aber auch dann machen Eier und Jungvögel anderer Arten nur etwa 2–3 Prozent der Nahrung aus

Warum also bloss wird immer über die Elster geschimpft? Elstern gehören zu den Rabenvögeln. Diese sind generell sehr gelehrig und anpassungsfähig. Während andere Vögel mit durch den Menschen verursachten Landschaftsveränderungen nicht zugange kommen und verschwinden, kann sich die Elster sehr rasch anpassen. Der Bestand der Elster ist in den letzten Jahrzehnten bei uns insgesamt nur leicht angestiegen. Sie ist aber vermehrt ins Siedlungsgebiet eingewandert und zu einem eigentlichen Kulturfolger geworden. Andere Arten, insbesondere des Kulturlandes, sind verschwunden. Es hat also nicht mehr Elstern, sondern weniger andere Vogelarten. Nebenbei: Alle Rabenvögel, auch die Elster, gehören zu den Singvögeln.Statt immer von Räubern zu reden, freuen wir uns also lieber über die Elster.Mit ihrem kontrastreichen schwarzweissen Gefieder, das je nach Licht metallisch grün oder blau schimmert, ist sie eine wahre Augenweide! Beide Geschlechter sehen gleich aus und der der "Tschack-tschack"-Ruf ist unverkennbar.   

Mehr über die Elster und ihre Stimme 


Aus der Natur 03/2022    Urs Kägi

Was dem Baumläufer sein Baum ist dem Mauerläufer seine Felswand. In dieser Ausgabe von «Aus der Natur» stellen wir Euch einen «Extremkletterer» vor.

Im Januar haben wir an dieser Stelle über den Gartenbaumläufer und seine Kletterkünste an Bäumen berichtet. Wer glaubt, dies sei in Sachen Kletterei das Höchste der Gefühle in der Vogelwelt, der täuscht sich. Es gibt einen, der kann das an Felswänden und sein Name ist Programm: Der Mauerläufer. Er bewohnt Schluchten und Felswände, die meist zwischen 1600 und 2800 M. ü. M. liegen. Der höchste Brutnachweis in der Schweiz liegt auf 3290 M. ü. M. Der Mauerläufer ist hervorragend an das Leben in der Vertikalen angepasst. Mit seinen grossen Füssen und Krallen kann er sich bestens am Fels festhalten. Nicht weniger auffallend ist der ausgesprochen lange und spitze Schnabel. Damit erreicht der Mauerläufer Insekten und deren Larven in auch noch so kleinen Ritzen zwischen oder in den Felsen. Sitzt der Vogel mit seinem grauen Gefieder ruhig in den Steinen, ist der kaum zu entdecken. Wenn er klettert, zuckt er regelmässig mit seinen Flügeln. Dabei kommt deren wunderschöne, karminrote Färbung zum Vorschein. Noch besser kommt diese im Flug zur Geltung. Mauerläufer verlassen im Herbst ihre hoch gelegenen Brutgebiete in den Bergen und überwintern in tieferen Gefilden wie zum Beispiel in Felsgebieten des Juras oder in grossen Steinbrüchen. Ab und zu suchen sie sich auch Ruinen als Winterlebensraum aus. Im Winter 2021 / 2022 hielt sich ein Mauerläufer an der Burgruine in Pfeffingen BL auf, und war gut zu beobachten. Man darf gespannt sein, ob er sich auch nächsten Winter das historische Gebäude als Überwinterungsplatz aussucht.

Mehr über den Mauerläufer und seine Stimme 


Aus der Natur 02/2022    Urs Kägi

Wer reitet so spät durch Nacht und Wind? Nein, es geht hier nicht um den Erlkönig, sondern um den Erlenzeisig, einem etwas unsteten Vagabunden. Er ist ein Schweizer Brutvogel in unterschiedlicher und schwankender Zahl sowie ein häufiger Wintergast.

Eigentlich müsste er Fichtenzeisig heissen. Sein Bruthabitat sind nämlich Fichtenwälder der Alpen und des Juras. Auch im Norden und Osten Europas bewohnt der Erlenzeisig vornehmlich Nadelwälder. Er ist ein unsteter Brutvogel und lässt sich bevorzugt dort nieder, wo das aktuelle Samenangebot gute Aufzuchtsmöglichkeiten bietet. In Jahren mit reichlicher Fichtensamenproduktion fallen eifrige Sänger schon im Vorfrühling auf.

Die besten Chancen den äusserst schönen, eher kleinen Finkenvogel bei uns zu beobachten haben wir im Winter. Vögel aus Nord- und Osteuropa treten von Oktober bis März oft in unterschiedlich grossen Schwärmen im Flachland auf. In dieser Zeit sucht er zur Nahrungsaufnahme oft Samen tragende Grau- und Schwarzerlen, aber auch Birken auf. Somit ist nun klar, wie der kleine Wicht zu seinem Namen gekommen ist. Zwar nähert sich der Frühling mit grossen Schritten. Doch bis sicher Mitte März lassen sich noch regelmässig Erlenzeisige beobachten.

Mehr über den Erlenzeisig und seine Stimme


Aus der Natur 01/2022    Urs Kägi

Er ist klein, gut getarnt, flink und immer an Bäumen zu finden. Der Gartenbaumläufer ist hervorragend an das Leben in der Vertikalen angepasst.

Meist vernehmen wir zuerst sein markantes «tüüt tüüt» bevor wir den Gartenbaumläufer am Baumstamm zu Gesicht bekommen. Sein rindenfarbenes Rückengefieder erschwert eine Entdeckung zusätzlich. Der kleine Baumläufer hat sich mit seinen langen Krallen und dem feinen, spitzen Schnabel an das Leben in der Senkrechten angepasst. In der Rinde sucht er entlang von Baumstämmen nach Insekten oder deren Larven. Dabei bewegt er sich meist von unten nach oben. Das heisst, er beginnt unten am Stamm mit klettern. Oben angelangt fliegt er oft zum nächsten Baum und die Kletterei beginnt erneut. Gartenbaumläufer bewohnen Wälder, Alleen, Parks etc. und kommen auch mitten in Siedlungen vor. Wichtig: Es muss Bäume haben! Im Bergwald wird er abgelöst durch den Waldbaumläufer. Dieser ist vom Gartenbaumläufer optisch kaum zu unterscheiden. Die Gesänge der beiden Arten sind jedoch deutlich verschieden. Während der Gartenbaumläufer im alpinen Gebirgswald nicht zu finden ist, kommt der Waldbaumläufer auch in Wäldern des Flachlandes vor. Dies jedoch meist in geringer Dichte. Treffen wir bei uns auf einen Baumläufer ausserhalb des Waldes handelt es sich praktisch immer um den Gartenbaumläufer. Im Frühling bauen Gartenbaumläufer ihr Nest in Baumritzen, Mauerspalten oder Gebäudenischen, häufig auch hinter abstehenden Rinden. Auch den Winter verbringt der Gartenbaumläufer bei uns. Bei Frost sucht er Schlafplätze in geschützten Schlupfwinkeln auf, beispielsweise unter einem Dachvorsprung. Hier verbringen mehrere eng aneinander gekuschelte Vögel die Nacht. Sie wechseln oft ihren Platz, so dass im Verlauf der Nacht jedes Tier einige Zeit zuinnerst in der Schlafgemeinschaft verbringen kann.

Der Gartenbaumläufer und seine Stimme


Aus der Natur 08/2021    Urs Kägi

Winterfütterung von Vögeln – Sinnvoll oder überflüssig? Mit Beginn der kalten Jahreszeit stellen sich viele erneut die Frage, ob Vögel im Winter gefüttert werden sollen oder gar müssen. Wir klären auf.

Grundsätzlich finden jene Vogelarten, die den Winter in unseren Breiten verbringen, auch in dieser Jahreszeit genügend Futter. Sonst würden sie nicht hier bleiben, sondern wegziehen. Einzig bei viel Schnee und Dauerfrost kann es kritisch werden. Draus kann geschlossen werden, dass nur dann gefüttert werden soll. Es spricht jedoch trotzdem nichts gegen eine Fütterung auch ausserhalb solcher Witterung, lassen sich doch am Futterhaus die gefiederten Freunde ausgezeichnet beobachten und studieren. Da mit dem Insektensterben auch im Sommer Nahrung knapp geworden ist wird sogar mittlerweile von einigen Wissenschaftern und Ornithologen die Ganzjahresfütterung propagiert. Allerdings scheiden sich dabei die Geister. Ein Verfechter der Fütterung durch das ganze Jahr ist der bekannte Ornithologe Prof. Peter Berthold.  Ob das ganze Jahr oder nur im Winter, es gibt bei der Fütterung ein paar Regeln zu beachten. Diese sind zu finden unter

Fütterung von Kleinvögeln auf der Website der Schweizerischen Vogelwarte

Beachten wir diese, steht einer Winterfütterung nichts im Wege und es lassen sich zahlreiche Arten am Futterhäuschen beobachten. Die folgenden Bilder entstanden alle an der Winterfüterung.

 

Aus der Natur 07/2021    Urs Kägi

Der Eichelhäher – ein ausgesprochener Sammler. In diesen Tagen und Wochen legen die Eichelhäher ihre Wintervorräte an.

Der Eichelhäher hat ein unglaubliches Gedächtnis. Er legt für den Winter Futterverstecke an. Auf dem Höhepunkt seiner Sammeltätigkeit verbringt er damit oft 10 bis 11 Stunden täglich. Bei längeren Sammelflügen kann er bis zu 10 Eicheln im Schlund sammeln und in das eigene Revier transportieren. Die Früchte versteckt er in der Bodenstreu, in Löchern und Spalten, in der Vegetation oder an Baumwurzeln, wo er sie mit einigen Schnabelhieben hineintreibt und dann grob zudeckt. Der Eichelhäher findet die Früchte erstaunlich zielgenau wieder. Forscher ermittelten, dass ein einziger Vogel während der gesamten Sammelzeit etwa 3000 (15 kg) bis 5000 Eicheln sammelt. Die Vorräte nutzt der Eichelhäher etwa ab einer Woche nach der Sammelzeit und verfüttert sie sogar teilweise noch im folgenden Jahr an ältere Jungvögel.

Nüsse und Eicheln, die der Eichelhäher nicht mehr findet, keimen aus. So sorgt er für die Ausbreitung von Samen. Der Eichelhäher ist ein sehr schlauer und aufmerksamer Vogel. Mit seinem Warnruf macht er nicht nur Artgenossen, sondern auch andere Vögel auf Gefahren aufmerksam.

Mehr über den Eichelhäher und seine Stimme

Wir danken dem Natur- und Vogelschutzverein Münchenstein für das zur Verfügung stellen des Textes und Andi Meier für die Fotos. 



Aus der Natur 06/2021    Urs Kägi

Ein Eldorado für Libellen – Drei neu angelegte Tümpel im Chis beherbergen viele Arten.

Beim der künstlichen Uferschwalben-Brutwand im «Chis» ganz im Norden von Zeiningen wurden als zusätzliche Aufwertungsmassnahmen Brachflächen und drei Tümpel angelegt. Innert kürzester Zeit stellte sich eine grosse Insektenvielfalt ein. Insbesondere zahlreiche Libellenarten haben die Gewässer in Beschlag genommen. 2021 war bis dato nicht unbedingt ein gutes Jahr, für die Beobachtung von Libellen. Um auf «Betriebstemperatur» zu kommen sind die fliegenden Akrobaten auf Sonnenschein und somit Wärme angewiesen. Bekanntlich gab es bis dato diesen Sommer nicht viele Tage, an denen diese Bedingungen erfüllt waren. Libellen gab es schon in der Urzeit. Die bisher grösste gefundene, versteinerte Urlibelle hatte eine Flügelspannweite von sage und schreibe 70 cm. Heute sind sie um ein vielfaches kleiner. Libellen verbringen den grössten Teil ihres Lebens als Larve im Wasser. Einmal geschlüpft, fliegen sie zwei bis drei Monate. In dieser Zeit paaren sie sich, legen die Eier ab und sterben dann. Nur die zwei in Europa vorkommenden Winterlibellen-Arten sind in der Lage, als Insekt zu überwintern. Stichwort Insekt: Libellen sind nicht nur Insekten, sie fressen auch solche. Mücken, Fliegen etc. werden mit den hochauflösenden Augen präzise geortet und blitzschnell gepackt. In den letzten drei Wochen gab es doch ab und an gute Bedingungen für die «fliegenden Edelsteine». Und so herrschte an den Tümpeln im «Chis» emsiges Treiben. Insgesamt vierzehn Arten konnten beobachtet werden. Als Besonderheit sei hier die Glänzende Binsenjungfer erwähnt. Sie ist, im Gegensatz zu der Gemeinen Binsenjungfer, sehr selten in der Schweiz. Die Uferschwalben dagegen haben ihre Brutstätte verlassen bis auf ein einziges Paar. Es zog in den letzten Tagen noch einen Nachzügler hoch. Auch dieser ist mittlerweile ausgeflogen. Alle Bilder stammen aus dem Gebiet «Chis». 


Aus der Natur 05/2021    Urs Kägi

Der Trauerschnäpper – Ein Meister der Insektenjagd. Erst selten, dann häufig, jetzt teilweise wieder im Rückgang.

Bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts galt der Trauerschnäpper in der Schweiz als recht seltener Brutvogel. Danach setzte eine starke Zunahme ein, die unter anderem durch das Aufhängen von Nistkästen begünstigt wurde. Inzwischen sind die Bestände jedoch wieder rückläufig. Der Trauerschnäpper ist ein ausgesprochener Zugvogel. Die Vögel treffen ab Mitte April in den Brutrevieren ein und schreiten im Mai / Juni zur Brut. Besiedelt werden Laub und Mischwälder, Obstgärten und parkartige Landschaften.

Das Männchen ist mit seinem schwarz-weissen Federkleid sehr auffallend. Das Weibchen dagegen hält in dezentem Grau. Trauerschnäpper sind reine Insektenfresser. Diese erhaschen sie meist geschickt von erhöhter Warte aus im Flug. Die älteren Männchen kommen meist vor den jüngeren und den Weibchen an und besetzen anfänglich oft mehrere Nistplätze. Mit ihrem unermüdlich vorgetragenen Gesang markieren sie ihren Anspruch auf diese. Das Weibchen wählt ein Männchen mit einer Nisthöhle aus, wobei die Qualität des Brutplatzes entscheidend ist. Viele Männchen versuchen in einem zweiten Revier, ein weiteres Weibchen anzulocken. In den Lagen unterhalb von 700m hat der Brutbestand des Trauerschnäppers in den letzten zwanzig Jahren stark abgenommen. Dagegen ist Gebieten darüber eine Zunahme zu verzeichnen. Wegen der Klimaerwärmung ist die Brutzeit beim Langstreckenzieher Trauerschnäpper trotz Anpassungen (zeitigere Rückkehr, früherer Brutbeginn) nicht mehr genau auf die höchste Nahrungsverfügbarkeit abgestimmt. Ausserdem sind die geeigneten Nisthöhlen je länger je früher von Meisen besetzt. Die Entwicklungen in Europa und den verschiedenen Höhenstufen der Schweiz stimmen mit Voraussagen aus Klimaszenarien überein. Diesen Frühling gab es in Zeiningen mindestens zwei Bruten des schönen Vogels. Beide fanden im Gebiet «Leim» in einem Nistkasten statt. Auch der Gartenrotschwanz schritt im gleichen Gebiet zur Brut.

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Aus der Natur 04/2021    Urs Kägi

Der Schwarzspecht – eine imposante Erscheinung. Der Schwarzspecht ist die grösste europäische und weltweit viertgrösste Spechtart.

Der Schwarzspecht ist gross, sehr gross. Er erreicht beinahe die Masse einer Krähe. Sowohl beim Männchen wie auch beim Weibchen präsentiert sich das Gefieder einheitlich schwarz. Das Männchen hat einen roten Scheitel, das Weibchen einen roten Fleck am Hinterkopf. Auffallend bei beiden sind die sehr hellen Augen. Der schöne Vogel bewohnt Wälder vom Flachland über den Jura bis in die Alpen. Wichtig ist ein gewisser Anteil an Totholz sowie alte und grosse Bäume. In die meisselt der Schwarzspecht mit seinem mächtigen Schnabel grosse Bruthöhlen. Schwarzspechte unterhalten in ihrem Revier mehrere Höhlen. Sie werden nicht nur zum Brüten, sondern auch zum Übernachten gezimmert. Bäume mit Höhlen von Spechten sollten im Wirtschaftswald unbedingt stehen gelassen werden. Insbesondere den Höhlen vom Schwarzspecht kommt eine grosse Bedeutung zu. Werden sie nicht mehr benutzt brüten darin im Flachland zum Beispiel Hohltauben und Dohlen, im Bergwald Rauhfuss- oder Sperlingskauz. Für das Angebot an natürlichen Nisthöhlen für diese Arten spielen Schwarzspechte eine entscheidende Rolle. In Zeiningen finden wir den Schwarzspecht sowohl am Zeininger Berg als auch im Gebiet Berghalden – Schönenberg – Ormis. Die nachfolgenden Bilder stammen aus dem Zeininger Wald von diesem Frühling. Die Jungvögel sind vor wenigen Tagen ausgeflogen. Der Schwarzspecht ist ruffreudig und verfügt über zahlreiche verschiedene Lautäusserungen. Wir unterscheiden u.a. Balzruf, Sitzruf und Flugruf. 

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Aus der Natur 03/2021     Urs Kägi

Der Star - ein Meister der Imitation. Der Einzug der Zugvögel aus Süden ist in vollem Gange. Einige habe bereits mit dem Brutgeschäft begonnen.

Besonders auffällig verhalten sich im Moment die lustigen Gesellen mit ihrem in der Sonne glänzenden Gefieder. Gemeint sind natürlich die Stare. Überall werben die Männchen mit ihrem pfeifenden, schnalzenden und rätschenden Gesang um die Gunst der Weibchen. Das Besondere am Starengesang: Nur die soeben beschriebenen Laute sind ihm angeboren. Den Rest muss er erlernen sprich erst mal zu hören, was andere Vögel so von sich geben und dies dann in den eigenen Gesang einbauen. Und so pfeifen Starenmännchen Laute von Pirol, Rauchschwalbe, Mäusebussard etc. und narren so manchen Beobachter. Selbst Hundegebell oder technische Geräusche werden nachgeahmt. Stare sind Zugvögel und treffen meist im Februar März in unseren Breiten ein. Allerdings kommt es als Folge der milden Winter immer häufiger zu Überwinterungen. Die Jungvögel werden in Baumhöhlen aufgezogen. Auch Nistkästen werden von der Art gerne angenommen. 

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Aus der Natur 02/2021     Urs Kägi

Der Schneesperling - Ein Bewohner des Hochgebirges. Für einmal stellen wir Euch eine Vogelart vor, die weder im heimischen Wald noch im Garten, geschweige denn im Flachland überhaupt zu finden ist. Es handelt sich um den Schneesperling, salopp Schneespatz oder früher Schneefink genannt.

Wir müssen ziemlich in die Höhe, um den Verwandten von Haus- und Feldsperling zu finden. Der Schneesperling brütet in Höhen zwischen 1700 und, man höre und staune, 3500 Metern über Meer. Selbst im Winter, wenn in solchen Lagen eine meterdicke Schneedecke liegt, kommt er selten bis nie tiefer als 1500 Meter über Meer. Vom Wind frei gelegte, apere Stellen bieten ihm Nahrung in Form von allerlei Sämereien. Er profitiert aber auch von Bergrestaurants, wo er von Speiseresten angezogen wird und meist wenig Scheu zeigt. Die besten Chancen, den Schneespatz zu finden und zu beobachten, haben wir somit dort und im Winter. Schneesperlinge sind meist in Gruppen unterwegs. Die gut wärmeisolierten Nester baut der Schneesperling in Felsspalten, unter Dächern von Alphütten und in Skiliftmasten. Wichtig ist die Nähe von alpinen Rasen, wo er während der Schneeschmelze Insektenlarven als Nahrung für die Jungen findet.

Im Flug ist der Vogel sehr auffällig und zeigt viel weiss im Gefieder. Der Schneespatz hat einen grauen Kopf mit zur Brutzeit schwarzem, im Winter gelblichem Schnabel. Die Kehle des Männchens ist schwarz. Die Weibchen sind etwas matter gefärbt. Wie Haus- und Feldspatz ist der Schneesperling ein äusserst agiler und quirliger Vogel und es ist sehr unterhaltsam, ihn zu beobachten. Leider ist in den letzten Jahren in den Alpen ein Rückgang des schönen Vogels dokumentiert. Dabei dürfte auch die Veränderung des Klimas eine Rolle spielen. Noch brüten 6000 – 9000 Paare in der Schweiz. Hoffen wir, dass die noch lange so bleibt.

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Aus der Natur 01/2021     Urs Kägi

Winterfütterung von Vögeln

Ist Vögel füttern im Winter sinnvoll? Eine sachgemässe Zufütterung in Zeiten mit Nahrungsmangel kann gewissen Kleinvögeln im Siedlungsbereich das Überleben erleichtern, vor allem im Winterhalbjahr. Es ist jedoch – ausser bei Dauerfrost und längeren Schneeperioden – aus biologischer Sicht nicht unbedingt notwendig. Allerdings sprechen sich mittlerweile auch namhafte Ornithologen, zum Beispiel Peter Berthold, für eine Fütterung aus und zwar ganzjährig. Tatsache ist: Die Winterfütterung bietet tolle Möglichkeiten diverse Vogelarten gut beobachten zu können. Füttern ist jedoch nicht gleich füttern, sondern will verstanden sein. Alles über eine sachgemässe Winterfütterung ist zu finden unter https://www.birdlife.ch/de/content/vogelfuetterung



Aus der Natur 09/2020     Urs Kägi

Wie schützen sich Vögel vor der Kälte?

Ist Ihnen auch schon aufgefallen, dass besonders wenn Temperaturen unter dem Gefrierpunkt herrschen, viele Vögel dick erscheinen? Das rührt nicht vom fressen her, sondern ist ein Merkmal des Kälteschutzes. Bei tiefen Temperaturen plustern Vögel ihr Gefieder auf. Damit entsteht rund um den Körper eine vollkommen ruhige und isolierende Luftschicht. Das Federkleid ist zudem sehr windabweisend. Dieses Verhalten lässt so manchen Vogel im Winter pummelig erscheinen. Immerhin gilt es eine Körpertemperatur von rund 40 Grad aufrecht zu erhalten. Alleine mit isolieren ist es aber nicht getan. Besonders Kleinvögel sind in der kalten Jahreszeit praktisch den ganzen Tag mit fressen beschäftigt. Dabei geht es darum, so viele Fettreserven anzulegen, damit die ganze Nacht davon gezehrt werden kann. Frisst der Vogel tagsüber zu wenig, fällt er in der Nacht irgendwann buchstäblich «vom Stängeli». Fettreserven lagern Vögel im Bereich des Brustbeines unter der Haut an. Bläst man dort das Gefieder zur Seite, ist dieses Fett sichtbar oder eben auch nicht. Sprich man kann sehen, wie gut ein Vogel ernährt ist. Bei der Winterfütterung von Vögel ist es wichtig, einen grossen Anteil fetthaltiges Futter beizumischen. Besonders geeignet dafür sind gehackte Erdnusskerne. Text und Fotos: Urs Kägi 




Aus der Natur 08/2020     Urs Kägi

Ein im Winter singender Vogel

Haben Sie in den letzten Tagen auch da und dort die perlende Strophe eines Vogels vernommen? Haben Sie auch gedacht, das kann nicht sein? Vögel singen doch nur im Frühling! Natürlich ist das so. Doch es gibt einige wenige Ausnahmen. Zu diesen gehört das hübsche Rotkehlchen. Viele Rotkehlchen aus dem Norden sind zum Überwintern in Mitteleuropa. Sie verteidigen ein Nahrungsrevier und singen deshalb - als eine der wenigen Vogelarten auch im Herbst und Winter. Nicht nur das Männchen singt, sondern auch das Weibchen. Kommen sich zwei Rotkehlchen im Winter in die Quere, gibt es ordentlich Krach. Da etliche dieser nordischen Rotkehlchen aus menschenleeren Gegenden kommen hat es immer wieder solche darunter, die sehr zutraulich sind und in uns Menschen keine Gefahr sehen. Rotkehlchen erscheinen im Winter oft und gerne an Futterstellen. Mit Beginn der Brutzeit im Frühling verlassen uns die Wintergäste wieder Richtung Norden. Die bei uns brütenden Rotkehlchen führen dann ein eher verstecktes Leben. 

Gesang des Rotkehlchens


Aus der Natur 07/2020     Urs Kägi

September – Zugzeit vieler Watvögel 

Die meisten Watvögel, auch Limikolen genannt, sind Brutvögel des hohen Nordens und sind bis weit über den Polarkreis in Tundra und Taiga zu Hause. Eine (noch) sehr häufige Limikole ist der Alpenstrandläufer. Sein Name ist ziemlich irreführend. Er kommt weder zur Brutzeit noch auf dem Zug auf Alpen vor. die  etwas irreführende Bezeichnung Alpenstrandläufer ist vermutlich darauf zurückzuführen, dass deutschsprachige Ornithologen ihn zu Beginn des 19. Jahrhunderts vor allem als Brutvogel der lappländischen Alpen kannten. Die meisten Watvögel, darunter auch der Alpenstrandläufer, ziehen den Küsten entlang in ihre Winterquartiere. Sie bilden dabei, insbesondere im Wattenmeer, oft Schwärme mit zehntausenden Exemplaren. Doch auch im Binnenland lassen sich auf dem Zug rastende Limikolen beobachten, wenn auch in viel geringerer Zahl. Wissenschafter befürchten, dass mit den tauenden Permafrostböden im Norden durch den Klimawandel der Alpenstrandläufer und viele weiter Watvögel grosse Flächen an Brutareal verlieren werden.

Die Bilder zeigen einen wenig scheuen Alpenstrandläufer am Ufer des Klingnauer Stausees am 02.09.2020. Der ausgedehnte, schwarze Fleck am Bau verrät ihn als Altvogel. Mit seinem langen Schnabel ertastet der Vogel Nahrung im Schlick. Fotos: Urs Kägi